Was genau ist eigentlich eine Tussi?

TUSSI – Oft gehört, meist als Beleidigung aufgefasst:

Weibliche Wesen werden häufiger als “Tussi” bezeichnet. Aber was genau bedeutet das Wort eigentlich? Ist das wirklich immer eine Beleidigung? Wir klären auf: Tussi, Bedeutung und Herkunft des Wortes!

Umgangssprachlich abwertend – das war nicht immer so

Wenn man heute das Wort Tussi hört, geht es meist um eine aufgetakelte, extrem modisch gekleidete und weniger sympathische weibliche Person. Frauen verbinden damit extrem herausgeputzte Mädchen, die aussehen wie frisch vom Friseur, inklusive gemachter Nägel, tollem Make-Up, High-Heels und sexy Kleidung. Die sitzt auch noch perfekt – niemand würde ein Nilpferd im Tutu als Tussi bezeichnet, auch nicht mit lackierten Nägeln. Trotzdem verunsichert die Bezeichnung Tussi viele Frauen. Die einschlägigen Internetforen haben alle wenigstens einen Threat mit Hilferuf: “Mein Freund redet von jeder Frau als Tussi, wie meint der das?”

m_inselkind trägt auch Tussibag

Alles halb so wild: Die Abkürzung Tussi wird oft alternativ für “junge Frau” oder “Mädchen” gebraucht. Die Tussi ist weiblich, eine junge Dame, nicht mehr und nicht weniger. So wurde der Begriff in der Jugendsprache der 1990er Jahre flächendeckend für alle jungen weiblichen Wesen gebraucht. Aber eigentlich geht es hier gar nicht um die Tussi, sondern um die sagenumwobene Tusnelda.

Wie jetzt, Tusnelda?

Wer ist das denn? Es geht nicht um ein besonders vulgäres oder dümmliches Partyluder, sondern um die Tochter eines Cheruskerfürsten namens Segestes. Die junge Frau heißt korrekt Thusnelda. Thusnelda wurde um das Jahr 10 v. Chr. geboren und starb irgendwann nach dem 26. Mai 17 n. Chr. Sie war mit dem Cheruskerfürsten Arminius verheiratet, der die römischen Legionen in der berühmten Varusschlacht plattmachte. Und zwar sowas von …

Thusnelda war von ihrem Vater eigentlich einem anderen Herren versprochen, wurde aber entführt und wurde zur Frau des Siegers. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet ein wenig aus dem Leben der Dame: Sie ging wohl eher freiwillig mit Arminius und wurde “mit ihrem Einverständnis” entführt. Arminius blieb das Brautgeld schuldig, Thusneldas Vater entführte wiederum die Schwangere, sie wurde später als Trophäe in Rom vorgeführt – aber ganz Dame von Welt, bewahrte sie Haltung und Würde.

Der Name der Cheruskerfürstin wurde im frühen 20. Jahrhundert zu einem gebräuchlichen Begriff für nervtötende Ehefrauen und weibliche Bedienstete. In den 1990er Jahren erfuhr er eine Umdeutung, aus der Tussi wurde irgendwann ein sehr liebevolles Kosewort: Tusschen.

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